Frieden entsteht aus annehmendem Fühlen dessen was ist. Kampf ist die Folge von unreflektierter Reaktion auf Angst, Schmerz und Mangel. Ich kann mich in jedem Moment entscheiden, ob ich liebevoll oder kämpferisch auf Eindrücke von außen reagiere. Wenn ich erkenne, das jeder scheinbare Angriff nur ein Ruf nach Liebe ist, dann kann ich friedvoll reagieren. Wenn ich die Kraft der Liebe in mir vergesse, dann werde ich mit Kampf reagieren, weil das der Standardmodus meines Beschützer-Egos ist. Ich möchte aber der Liebe Raum geben und bei jedem Schmerz erst innehalten und fühlen. Meist ist die Situation nicht so bedrohlich wie ich dachte und keinen Klein-Krieg wert.


Der richtige Umgang mit emotionalem Schmerz ist zuerst ihn fühlen und fließen zu lassen und dann, wenn er abgeflossen ist, zu schauen ob die Situation, die ihn ausgelöst hat noch Veränderung benötigt. Normalerweise gehen Menschen mit emotionalem Schmerz aber genau gegenläufig um: Sie beschimpfen zuerst den schmerzauslösenden Partner, werden wütend, kämpfen und zerstören. Dann, wenn alles Geschirr kaputt ist und die Beziehung vielleicht auch, gehen sie in sich und erkennen, das ihre eigenen Verletzungen aus der Kindheit der Grund für solche Überreaktionen waren. Dann ist es aber oft zu spät. Und das muss es nicht sein.

Aber was ist, wenn mein Partner mich missbraucht, mein Chef mich unter Druck setzt, oder mein Leben akut bedroht ist? Natürlich ist es sinnvoll bei Missbrauch und Gewalttätigkeit sofortige Schritte einzuleiten. Das steht außer Frage.

Ich rede hier in erster Linie vom inneren Schmerz, der aufgestaut und unbetrauert ist, der aus der Vergangenheit stammt und den Großteil des Schmerzpotentials ausmacht, den wir in der westlichen Welt erleben. Also emotionaler Schmerz, der zwar akut ausgelöst wird, sein Größe und Macht aber aus der Kindheit bezieht, in der wir unfähig waren, ihn fließen zu lassen, weil er damals zu bedrohlich und groß war und vielleicht sogar unendlich erschien.

Was ist nun der richtige Umgang mit emotionalem Schmerz?

1. Das Herz zu öffnen, einfach so, oder mit Musik, Tanz, Liebe, Hingabe
2. Den Schmerz wahrhaftig fühlen, ohne sich abzulenken und abzuschweifen
2. Die Tränen fließen lassen bis sie versiegen und die Seele gereinigt ist

Tränen sind wahrscheinlich die reinigendste und heilsamste Flüssigkeit, die es gibt in dieser Dimension von Welt und Körper. Solange wir weinen können und es wagen unseren Schmerz spüren und auszudrücken, solange sind wir in Verbindung mit unserer liebevollen Essenz und fühlen uns heil und ganz.

Wenn wir aber Angst haben den tiefen Schmerz der Trennung in unserem Herz zu spüren, ihn zuzulassen und ihn unter Tränen zu befreien, dann werden wir unser Herz verschlossen halten und keine wirkliche Liebe erleben können.

Natürlich können wir auch mit verschlossenem Herzen andere Wesen mögen und sogar glauben, das wir sie lieben, aber diese Liebe kommt aus dem Verstand und ist nicht annähernd so beglückend, wie die tiefe, warme Liebe eines offenen Herzens.

Du hast bestimmt schon warmherzige Menschen erlebt, die nicht viel denken, sondern einfach ihre Gefühle zeigen, wenn sie aufkommen. Sie sind meist voller Liebe und wenn ihnen etwas weh tut, dann zeigen sie es. Ja, ihnen kommen auch ziemlich schnell die Tränen, wenn sie sich verletzt fühlen.

Es gibt tatsächlich Menschen, die haben sich ihre kindliche Fähigkeit zu weinen bewahrt und sie lassen schmerzhafte Gefühle (Angst, Verzweiflung, Wut, Eifersucht, Neid, Ärger, Scham) einfach kommen und gehen. Sie bewerten sie nicht, intellektualisieren sie nicht und projizieren sie nicht auf andere. Doch solche Menschen sind rar.

Die meisten von uns würden lieber eine Beziehung beenden, als sich weinend und verletzt dem Partner zu zeigen.

Sie würden lieber, einen Streit anzetteln, einen anderen Menschen anschreien, oder den Schmerz in sich selbst begraben, bevor sie ihr Herz öffnen und die Tränen zulassen.

Natürlich ist es nicht einfach, vor einem anderen Menschen zu weinen, wenn unsere Eltern und die gesamte Gesellschaft uns dazu erzogen haben, Schmerz stillschweigend zu ertragen, Schmerz wütend auf andere zu projizieren, Schmerz zu unterdrücken. Aber auf keinen Fall zu weinen und zu schreien, wenn uns etwas verletzt und weh tut.

Dieser unterdrückende Umgang mit Emotionen zieht sich schon über Jahrhunderte hin und ist der Grund für alle Brutalitäten, Kriege, Kolonialisierungen, Völkervernichtungen und Kreuzzüge gegen Mensch und Natur, die es gibt.

Kein herzoffener, sensibler Mensch könnte je einem anderen Wesen bewusst Schmerz zufügen. Im Gegensatz dazu wird jeder Mensch der seinen Schmerz nicht fühlen will, ihn zwangsläufig auf andere Wesen abwälzen und subtil oder direkt gewalttätig sein.

Wenn du wissen möchtest, ob dein Herz schon offen oder noch verschlossen ist, dann frage dich einfach:

Kann ich zulassen mich verletzt zu fühlen, oder denke ich, das ich über allen Dingen stehe und unverletzbar bin? Kann ich weinen, wenn ich mich verletzt fühle, oder werde ich wütend und manipulativ? Kann ich andere Menschen einfach so sein lassen wie sie sind, oder will ich sie verändern bis sie mir passen? Kann ich es zulassen, wenn ein Kind lauthals weint, oder versuche ich es davon abzuhalten? Reagiere ich mit Liebe, wenn ein anderer Mensch wütend auf mich ist, oder gehe zum Gegenangriff über?

Ja, es tut weh, die Dinge und die Menschen so sein zulassen, wie sie sind. Und Schmerz zulassen bedeutet auch nicht alles mit sich machen zu lassen, wenn es sich nicht gut anfühlt. Es bedeutet aber sehr wohl, sich den eigenen Themen zu stellen und den eigenen Schmerz nicht auf andere zu projizieren.

Wie wir wissen, kommt in jeder Beziehung irgendwann Schmerz auf und oft hat das nur wenig mit dem anderen zu tun. Es sind meist unsere eigenen Themen, die uns da gespiegelt werden. Und so oft wir auch davon rennen und die Partner, den Ort und die Jobs wechseln, wir begegnen trotzdem immer wieder uns selbst und unserem eigenen Schmerz.

Schmerz wird solange eine Bürde sein, bis wir ihn vollkommen zulassen und ihn in einem Fluss von Tränen davon fließen lassen!

Weinen ist in der Tat DIE Methode, mit der sich unsere Seele vom Schmerz befreit und das Herz sich öffnen kann. Selbst jahrelange Therapien sind wirkungslos, wenn wir dabei nicht unserem alten Schmerz begegnen und ihn unter Tränen befreien.

Meine Lieblingsmethode zum weinenden Transzendieren von aufgestautem Schmerz ist ganz einfach: Ich mache mir gefühlvolle Musik an und atme die allumfassende Liebe sanft und langsam direkt in mein Herz. Anfangs kommt für einige Minuten Wut und Ärger auf und ich würde am liebsten damit aufhören, doch dann, nach einer Weile öffnet sich das Herz und ich fühle, wie der Schmerz sich unter Tränen veräußert. Wenn ich das oft genug praktiziere, dann fällt der Einstieg sehr leicht und ich fühle dann direkt die Liebe, die unter dem Schmerz begraben war.

Eine andere schöne Methode ist sich auf die Einheit zu besinnen, oder ein anderes Wesen in seiner göttlichen Essenz zu sehen, oder das eigene Wesen auszudehnen, oder dankbar zu sein, oder etwas wertzuschätzen. Ja es gibt sehr viele Wege in die Liebe, wichtig ist nur, sie auch zu gehen und nicht vor den ersten Tränen umzukehren, weil diese nicht so erwachsen und weise wirken, wie wir es gerne hätten.