Sex kann in der Tat die schönste Sache der Welt sein, wenn die beteiligten Menschen sich in Liebe austauschen. Sex kann aber auch sehr schmerzhaft sein, wenn er jemandem aufgezwungen wird, der gerade keine Lust darauf hat. Gerade bei dem Thema Missbrauch denken wir meist an kleine Kinder, die von bedürftigen und rücksichtslosen Erwachsenen sexuell missbraucht werden. Und wenn wir diesbezüglich ein reines Gewissen haben, dann stellt sich sofort dir Frage: „Wie kann so etwas geschehen? Wer macht so etwas? Wie kann ein Mensch so gemein und rücksichtslos sein?“

Und dann denken wir weiter: „Warum passiert überhaupt soviel Gewalt auf der Welt? Warum gibt es Kriege und wer sind die Menschen, die all die Waffen herstellen, welche später unschuldige Menschen zu Tode bringen?“

Oder wenn wir sogar über die Grenzen unserer Rasse hinaus denken, dann fragen wir uns: „Wer ist denn eigentlich für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich? Wer isst denn so viele Fische, das die Meere leergefischt sind? Wer kauft das ganze Fleisch und die Eier von misshandelten Tieren? Welche verrückten Forscher quälen tagtäglich tausende Tiere, nur damit Kosmetika und Medikamente sicher sind und wir unseren Körper noch gnadenloser behandeln können?“

Ich bin mir sicher, das dir auch schon diese Fragen gekommen sind und das du zu dem Schluss gekommen bist: Ich kann ja meinen kleinen Teil tun, aber ich kann leider nicht für andere entscheiden. Und das ist auch gut so.

Dann gibt es aber noch die Fälle, die nicht so einfach sind, nämlich, wenn wir etwas wirklich brauchen und wir die negativen Konsequenzen irgendwie rechtfertigen, weil der Zweck in diesem Falle dann die Mittel heiligt. Jeder entwickelt dafür sein eigenes Repertoire an Ausreden um das eigene Gewissen rein zu waschen. Das sind Ausflüchte wie: „Ich brauch das eben! Was kann ich als einzelner schon tun? Das ist nun mal so, da kann ich auch nichts ändern. Wenn ich´s nicht mache, dann tut´s ein anderer. Darüber denk ich nicht nach! So schlimm wird’s schon nicht sein! Die Erde macht eh nicht mehr lange. Das wird schon wieder!“

Und so wird aus fast jedem konsequenten Fahrradfahrer, Müsliesser, Friedenskämpfer, Nichtflieger, Ökokäufer und Greenpeace-Sympatisant im Laufe eines langen Lebens ein Mensch, der es nicht mehr ganz so genau nimmt, weil er einfach das Kämpfen irgendwann satt hat. Manche halten lange in ihrem Kampf durch, aber auch nur an ihren Lieblingsfronten. Unser westlicher Lebensstandard ist einfach nicht haltbar, wenn wir absolut rücksichtsvoll und missbrauchsfrei leben wollten.

So geht der Missbrauch der Erde, anderer Völker, der Tiere, der Pflanzen und der Menschen Tag für Tag in einer weitere Runde, meist unwissentlich und summiert sich von Milliarden kleiner Teile zu einem großen Ganzen, welches wir dann als das „Elend der Welt“ bezeichnen. Die Erde scheint bereits am Rande des Ertragbaren zu sein und doch hat jeder Mensch die Hoffnung, das sich alles noch irgendwie zum Guten wendet.

Um zu erkennen, wie wir ganz persönlich mit dem Missbrauch umgehen können, welcher unser eigenes Leben und unsere Welt wie ein roter Faden durchzieht, ist es sinnvoll zuerst herausfinden was Missbrauch überhaupt bedeutet und dann zu schauen, wie er vermieden werden kann.

Die Definition von Missbrauch ist ganz einfach, weil uns das Wort selbst schon alle Geheimnisse verrät: Miss-brauch bedeutet Falsch-brauchen. Wir brauchen also etwas, und verschaffen es uns auf falsche Weise, nämlich auf Kosten, oder auch über die Leichen anderer Wesen. Das ist lieblos und erzeugt Leid, in uns selbst und in anderen.

Wir könnten also jeglichen Missbrauch ganz einfach umgehen, indem wir aufhören etwas zu brauchen. Das versuchen einige Menschen auch, aber wie man an diversen Priestern im Zölibat sehen kann, geht das oft in die Hose. Denn gerade wenn man seine Bedürfnisse zu unterdrücken versucht, kommen sie aufgestaut und mit voller Wucht wieder an die Oberfläche – und Gnade dem, der dann in Reichweite ist!

Abgesehen davon haben wir auch Bedürfnisse die nicht so leicht zu überkommen sind, wie das Bedürfnis nach Luft, Wasser, Nahrung und Behausung.

Selbst Liebe, Zärtlichkeit und Berührung scheinen wir zu brauchen, zwar nicht so dringen wie Luft und Wasser, aber wer schon einmal ein Jahr ohne menschliche Berührung war, der weiß wie stark und schmerzhaft das Brauchen von Berührung dann wird.

Indiz des „Brauchens“ ist immer ein körperlich unangenehmes, zwingendes Gefühl. Wenn dieses zum Beispiel durch Drogeneinnahme ausgeschaltet wird, können Menschen sogar verdursten, weil ihnen das körperliche Gefühl des Wasser-Brauchens, sprich der Durst abgeht.

Du kannst das Gefühl des Brauchens ganz einfach erforschen indem du kurz die Luft anhältst und fühlst, wie sich schon nach einer halben Minute ein intensives Gefühl des Luft-brauchens einstellt. Und wenn du die Luft weiter anhältst brauchst du sie nach spätestens einer Minute so dringend, das du dafür sogar Gewalt anwenden würdest, wenn sie dir anderer Mensch vorenthält.

Natürlich wird dir so etwas nicht passieren, solange du keine Feinde hast, die dich Nachts mit einem Kissen sanft ins Jenseits befördern wollen. Auch wirst du in einem reichen Land meist genug Wasser, Nahrung und ein Dach über dem Kopf haben. Oder Geld um all dies zu beschaffen.

Wie es sich aber anfühlt nicht geliebt und zärtlich berührt zu werden das wissen wir alle, denn wir alle hatten schon Phasen im Leben, in denen wir viel drum gegeben hätten, das sich endlich ein Liebespartner einfindet, mit dem wir kuscheln, küssen und zärtlich sein können.

Wir kennen also die extreme Bedürftigkeit die im Bereich Liebe und Sex entstehen kann und deshalb sollte sexueller Missbrauch ein gutes Beispiel sein, um daran Vergebung üben zu lernen.

Vergebung ist vor allem dann schwierig, wenn wir denken, das nur die anderen des Missbrauchs schuldig sind und wir nichts damit zu tun haben, außer die Opfer zu sein.

Doch in Wirklichkeit missbrauchen wir alle jemanden oder etwas. Selbst die kleinen und unschuldigen Kinder sind Meister im Brauchen ohne Rücksicht auf den Gebenden und ist nicht genau das Missbrauch?

Wenn wir unbedingt etwas haben wollen und es in unserer totalen Selbstbezogenheit einfordern, ohne zu schauen ob unser Gegenüber es gerade geben kann und will, dann ist das eine Form des Missbrauchs.

Jeder der schon einmal mit Kindern in Berührung war, weiß, das Kindern jegliches Einfühlungsvermögen abgeht, sobald sie etwas unbedingt haben wollen. Kinder sind auf gesegnete Weise völlig selbstbezogen und wenn sie etwas brauchen, dann schreien, schlagen und toben sie solange, bis sie es bekommen. Und wenn sie es wider Erwarten doch nicht bekommen, dann wird aus dem „Ich hab dich so lieb, Mama“ ganz schnell ein „Ich hasse dich, du bist so gemein“. So total wie Kinder ihre Liebe und Freude leben, so total sind sie auch in ihrer Wut und ihrer Rücksichtslosigkeit. Ein Kind kommt nicht im Traum auf die Idee zu fragen, warum denn Mama gerade nicht so kann wie Kind gerade will. Und viele von uns bleiben zeitlebens auf diesem kindlichen Niveau und lernen einfühlsame Kommunikation bis zum Ende ihres physischen Lebens nicht. Oder sie werden so einfühlsam anderen gegenüber, das sie sich selbst nicht mehr wichtig nehmen und sich als Missbrauchsopfer anbieten.

Meine Mutter hat z.B. so sehr unter der Autorität ihrer Mutter gelitten, das sie das genaue Gegenteil ihrer Mutter geworden ist. Und so hat sie mir als Kind alles nachgesehen, was ich in meiner kindlichen Rücksichtslosigkeit angestellt habe. Ich bin als Kind permanent über ihre Grenzen gegangen, weil ich gnadenlos egoistisch war und Einfühlungsvermögen in Erwachsene nicht zu meinem Repertoire gehörte. Das ist nach Definition eindeutiger Missbrauch. Natürlich wäre es die Aufgabe meiner Mutter als erwachsene Frau gewesen auf sich selbst zu achten und mich in meine Schranken zu weisen, aber das könnte sie nicht, weil sie auf keinen Fall so lieblos wie ihre eigene Mutter werden wollte.

Mein Vater hat daraufhin versucht mich zu „erziehen“, mir also beizubringen wie man mit Erwachsenen richtig umgeht, was man machen darf und was nicht. Er hat mit verbaler Macht Verhaltensweisen von mir eingefordert, die er brauchte und die ich nicht geben wollte und konnte. So haben wir uns alle gegenseitig missbraucht und waren noch sehr sanft dabei, denn in anderen Familien wurden die Kinder mit Stöcken verprügelt oder sexuell missbraucht und die Eltern daraufhin von ihren Kindern lebenslänglich gehasst und verabscheut.

Im Angesicht der Tatsache, das wir also alle gehörige Portionen des Missbrauchs ausgeteilt und empfangen haben, stellt sich nun die Frage: Wie gehen wir damit um? Wie können wir die Wut auf unsere Missbraucher auflösen und in Liebe verwandeln?

Nicht mehr und nicht weniger ist nämlich nötig, sofern wir eine liebevolle Beziehung und eine erfüllte Sexualität leben wollen. Wir können unsere Partner nur so sehr lieben, wie wir uns selbst und unsere Eltern lieben.

Wenn du eine Leidtragende, oder ein Elternverachter bist, und vergeben lernen willst, dann hast du zwei Möglichkeiten. Du kannst entweder eine Therapie zu machen, falls du den Psychologen vertraust, oder du kannst versuchen in Eigenregie deine Missbrauchsthemen zu verarbeiten.

Ich habe letztere Variante gewählt, da mein Gefühl von Missbrauch nicht allzu ausgeprägt war und ich nichts von Psychologen und Psychopharmaka hielt. Meine Eltern hätten auch einen Nervenzusammenbruch bekommen, wenn ich zu einem Psychologen gegangen wäre um meine Kindheit zu verarbeiten, die in ihren Augen perfekt war.

Bei dieser Aufarbeitung wurde ich permanent innerlich geführt und bekam immer die richtigen Impulse zur richtigen Zeit. Da war zum Beispiel die Idee meinem Vater einen langen Brief zu schreiben, in dem ich all meiner Wut und Verzweiflung Ausdruck verlieh und dann fehlte die Briefmarke um ihn abzuschicken. Als ich ihn drei Tage später noch einmal las, hatte sich all meine Wut und mein Hass in Luft aufgelöst und ich habe den Brief lachend in den nächsten Mülleimer geworfen.

Dann waren da diverse alternative Therapien, in denen ich wochenlang geatmet, geschrien, gelacht, geweint, getanzt und meditiert habe und damit all meine körperlichen Verspannungen aufgelöst habe. Das hat mir ungemein geholfen und ich bin dafür absolut dankbar.

Irgendwann habe ich meinen Vater dann auch direkt mit meinen Anschuldigungen konfrontiert. Das war keine so gute Idee. Er konnte sich an nichts erinnern und war etwas bestürzt darüber, das ich all seine liebevolle erzieherische Fürsorge so harsch interpretiert habe. Das war eine gute Sache, denn so habe ich aufgegeben andere verändern zu wollen und habe weiter an mir selbst gearbeitet, bis ich auch mit meinem Vater völlig im Frieden war.

Falls du also noch Wut, Hass, Frustration, oder gar ein Gefühl von Ohnmacht deinen Eltern gegenüber hast, dann kann ich dich nur ermutigen

all deiner Wut und deinem Hass Ausdruck zu verleihen, in Briefen an die Peiniger, im Schreien, im Boxen und wildem Tanzen zu heftiger Musik. Wenn du durch die Wut durch bist, dann kommt der Schmerz in aller Heftigkeit auf dich zu und wenn du den komplett angenommen und dich ausgeweint hast, dann erst bist du wirklich bereit für Liebe und Sexualität.

Oft vollzieht sich die Auflösung familiären Missbrauchs in dieser Schrittfolge: Ohnmacht – Abhängigkeit – Verzweiflung – Wut – Hass – Frustration – Schmerz – Weinen – Lachen – Hoffnung – Freude – Liebe

Dieser Heilungsprozess kann in wenigen Tagen oder Wochen abgeschlossen sein, wenn du ihn mit voller Offenheit und großem Mut angehst. Vertraue dabei unbedingt deiner innere Führung, denn aus deinem Alltagsverstand heraus, kann nicht viel Heilung geschehen. In der Meditation zu diesem Thema wirst du eine Anleitung bekommen, welche dich durch den gesamten Heilungsprozess führen wird.

Sei dir aber bewusst, das Heilung erst geschehen kann, wenn du dir deines eigenen Schmerzes voll bewusst bist. Dazu ist es wiederum nötig alle Schmerz unterdrückenden Angewohnheiten und Drogen aufzugeben. Am besten ist es dazu eine Weile zu fasten und natürlich auf Nikotin, Alkohol, Kaffee, Fernsehen und jegliche Ablenkung zu verzichten.

Manche Menschen haben ihren Schmerz sogar soweit verdrängt, das sie sich gar nicht mehr dessen bewusst sind, was in der Kindheit alles vorgefallen ist und dann tragen sie diese ungeheilten Themen in ihre Beziehungen, welche daran zwangsläufig scheitern werden. Es gibt keinen Supermenschen, der mit noch unbewusstem Schmerz des Partners umgehen kann. Bewusstsein ist die erste Voraussetzung bevor Heilung möglich wird. Im eigenen Selbst, im Partner und in der Beziehung.

Wenn der Schmerz verdrängt und betäubt wird, dann zieht Mann oder auch Frau wieder genau den Partner an der zu den inneren unbewussten Mustern passt und die ganze Tyrannisierung aus der eigenen Kindheit geht in eine zweite Runde. Damit wird die Basis geschaffen, das sich der Missbrauch von Generation zu Generation überträgt und wiederholt.

Der unbewusste, oft maskuline Egomensch bietet sich dafür gerne als Täter an, weil sein Bewusstsein zu unreflektiert ist, um die ganzen Mechanismen zu durchschauen, die auf tieferen Ebenen ablaufen. Er will einfach die sofortige Befriedigung seiner Bedürfnisse und wenn die Frau nicht willig ist, dann macht er es halt mit den Kindern. Wobei die Frau und oft auch die gesamte Verwandschaft tatenlos zuschaut und damit zum Mittäter wird.

Jede Gewalttat könnte verhindert werden, wenn wenigstens die Freunde und Verwandten des Täters einschreiten würden, denn sie sind diejenigen die ein Spur mehr Bewusstheit haben und auch den notwendigen Einfluss auf den Täter haben. Der Täter selbst ist meist zu ferngesteuert von seinen eigenen Bedürfnissen, als das er eine Chance hätte sich selbst zu bremsen.

Kriege und Gewalt aller Arten werden immer von vielen unterstützt und am Ende auf die wenigen unmittelbaren Täter geschoben. Diese sind aber immer ein Produkt ihrer Erziehung und der Umgebung, in der sie aufgewachsen sind. Lass uns deshalb jetzt diesen Moment nutzen um in unsere eigenen Leben schauen und nachzusehen, wo wir passive, oder sogar aktive Mittäter sind, im Missbrauch von Menschen, Kindern, Tieren, Pflanzen und der Erde sind. Stell dir dazu folgende Fragen:

Wer in der eigenen Verwandtschaft wurde missbraucht und wer sind all die Mittäter und Zuschauer? Wo haben wir selbst unsere Augen verschlossen und weggesehen, um nicht den Anstoß zur Änderung geben zu müssen, welche meist auch alle Unehrlichkeiten in unserem eigenen Leben enthüllt hätte? Welchen Menschen und Wesen der Erde tun wir selbst noch Gewalt an? Welche Produkte kaufen wir, für die Tiere und Pflanzen gequält und anschließend getötet wurden? Welche Medikamente nehmen wir, für die Tiere in der Forschung qualvoll ihr Leben lassen mussten, nur damit wir unseren ungesunden Lebenswandel fortführen können? Welche täglichen Fahrten könnten wir mit dem Fahrrad unternehmen, statt mit dem Auto Biokraftstoff zu verbrennen, für den gerade der Regenwald abgeholzt wird? Auf welche Flüge können wir verzichten, damit nicht noch mehr Bohrlöcher unsere Ozeane in einen Fischfriedhof verwandeln, für die wenigen Fische die bislang noch übrig waren? Am Ende essen wir sogar noch Fisch? Warum sind wir zu geizig unser Essen komplett aus ökologischem Anbau zu beziehen, der unsere Erde nicht mit Pestiziden vergiftet? Warum tun wir nicht mehr für unsere eigene Heilung und projizieren unsere Probleme stattdessen auf andere? Wie missbrauchen wir unseren eigenen Körper? Durch zu viel Arbeit, zu wenig Ruhe, zu wenig Sport und zu viel ungesundes Essen?