Verständnis braucht Kommunikation und Lebenserfahrung. Nur was ich selbst schon erlebt habe, kann ich wirklich nachvollziehen. Und nur wenn ich meine Gefühle und Gedanken ausspreche, kann ich wirklich verstanden werden. Ich möchte Menschen um mich, bei denen ich mich öffnen und zeigen kann. Ich kann es allen Beteiligten einfacher machen, indem ich nicht beschuldige, wenn mich etwas verletzt hat. Nur wenn ich meine wunden Punkte offen lege, kann Vergebung und Heilung geschehen. Gespräche sind besonders wichtig, wenn es mir schwer fällt mich zu öffnen.


Eines der größten Hindernisse für die Liebe ist Unverständnis. Wenn zwei Menschen sich in ihren Wünschen und Problemen, ihren Vorlieben und Hemmungen, ihren Freuden und Ängsten nicht verstehen, dann können sie sich auf menschlicher Ebene auch nicht lieben. Am Anfang einer Beziehung ist das meist auch gar nicht nötig, da sich beide Partner kaum kennen und die Liebe deshalb eher auf der energetischen, unpersönlichen, urteilsfreien Ebene fließt. Doch früher oder später wird die Beziehung meist auch auf menschlicher Ebene gelebt und dann sind die Liebenden herausgefordert den Partner auch mit seiner Persönlichkeit zu verstehen und anzunehmen.

Liebevolles Annehmen ist leicht für einen Menschen der sich mit seinen lichtvollen UND mit seinen dunklen Seiten liebt.

Für Idealisten und Gutmenschen aber, die ihre Wut, ihren Schmerz und ihre Hilflosigkeit ablehnen, ist das Verstehen und Annehmen des anderen hingegen sehr schwierig, da solche Menschen sich selbst nicht in allen Aspekten annehmen und daher ihre eigenen dunklen Seiten auf ihre Mitmenschen und Partner projizieren. Wenn durch diese Projektionen Verständnis schwierig ist, dann wird die Kluft zwischen beiden Partnern immer größer, die Liebe immer kleiner und die anfängliche Unzufriedenheit wird zur Frustration und später zur massiven Verzweiflung.

Unverständnis führt auf der persönlichen Beziehungsebene immer zu Trennung und diese tut weh.

Wenn der Trennungsschmerz von beiden Partnern gefühlt wird, dann besteht eine große Heilungschance. Gefühlter Schmerz macht verhärtete Herzen weich, er lässt uns innehalten und unsere trennenden Verhaltensmuster hinterfragen. Wenn der Schmerz nicht gefühlt sondern abgelehnt wird, dann sind die Folgeerscheinungen Lieblosigkeit, Streit, Wut, Hass, Eifersucht, Verzweiflung, Untreue, Rückzug, Verantwortungslosigkeit, Gefühlskälte, Rückzug und Schweigen, um nur einige zu nennen. All diese Trennungssymptome sind in Wirklichkeit ein Ruf nach Liebe, Nähe und Verständnis. Doch wer kann diesen Ruf wirklich hören, wenn der Schmerz der Trennung abgelehnt und unterdrückt wird? Wer kann sich liebevoll verhalten, wenn er sich gerade unverstanden und getrennt fühlt? In solchen Momenten würden wir den Partner viel lieber beschuldigen, anschreien, verletzen und aus unserem Leben verbannen, als verständnisvoll auf ihn einzugehen. Das ist auch ganz normal und menschlich und kein Grund zur Sorge. Schwierig wird es erst, wenn wir in unserer Beziehung aus der Schuldspirale nicht mehr herausfinden und unseren Partner auch in ruhigen Momenten nicht verstehen können und stattdessen die Schuld auf den anderen projizieren. Das nützt niemandem etwas und treibt den Partner noch mehr in die Enge des Missverständnisses. Wenn wir uns unverstanden fühlen und auch den Partner in seinen Motiven und Handlungen nicht verstehen, dann können wir davon ausgehen, das uns selbst ein wenig das Verständnis der Liebe fehlt.

Liebe beruht auf Resonanz, also dem gemeinsamen, harmonischen zusammen-schwingen.

Jeder Mensch hat eine bestimmte Entwicklungsebene, eine eigene Frequenz, eine ganz eigene Färbung und wenn diese nicht zur eigenen passt, dann ist Resonanz schwer, oder gar nicht möglich.

Nur was gleich oder ähnlich ist kann in Resonanz miteinander sein und sich vereinen.

Alles andere ist nicht vereinbar und kann bestenfalls mit Abstand friedvoll nebeneinander existieren. Deshalb gibt es Beziehungen, in denen die Liebe am größten ist, wenn der Partner gerade nicht körperlich anwesend ist. Dieses Phänomen ist ein eindeutiges Zeichen dafür, das beide Partner in ihrer Persönlichkeit, ihren Wünschen, Geschmäckern und Vorlieben sehr verschieden sind und sich auf menschlicher Ebene nicht wirklich verstehen. Natürlich können wir einen solchen Menschen trotzdem lieben, weil es in uns allen auch noch die Ebene der geistigen Einheit gibt, auf der wir mit jedem Wesen in Resonanz sind. Doch wenn uns dieser Mensch dann zu nahe kommt, werden all unsere persönlichen Vorliebe und Abneigungen wieder aktiviert und unsere Fähigkeit des Verständnisses herausgefordert. Dann haben wir wieder dich Chance zu wachsen, mit Herz und Verstand zu verstehen und den anderen so anzunehmen wie er ist.

Viele spirituelle Menschen ziehen die geistige Liebesebene der menschlichen Ebene vor, weil es auf der geistigen Ebene soviel Ähnlichkeit, Gleichheit und Liebe zu finden gibt, das fast absurd erscheint sich überhaupt die Mühe zu machen, andere auch als Mensch zu verstehen. Doch da auch in Mönchen, Yogis und spirituell Suchenden die Sehnsucht nach menschlichem Wachstum aktiv bleibt, gehen auch diese Menschen früher oder später eine Paarbeziehung, oder eine Eltern-Kind Beziehung ein, und werden dann doch mit ihren Schattenseiten und ihren überzogenen Idealen konfrontiert. Es ist daher viel sinnvoller sich auf allen Ebenen, auch auf der zwischenmenschlichen Ebene anzunehmen. Jede Eigenschaft im eigenen Selbst und im Partner ist in Wahrheit neutral und wir müssen sie weder beurteilen, noch ablehnen. Mit ein wenig Geduld, können wir sie aber verstehen lernen und in diesem Verstehen geschieht eine Vereinigung die wir als Liebe fühlen. Wenn ich einen Menschen treffe der mir sehr fremd, oder sogar unsympathisch ist, wenn ich also eine Kluft zwischen mir und dem anderen spüre, dann suche ich meist das Gespräch und frage den anderen wie es ihm geht und was er auf dem Herzen hat. Das hilft mir den Menschen zu verstehen und dadurch entsteht immer eine Verbundenheit.

Das gegenseitige Verständnis in einer Beziehung ist immer proportional zur Offenheit, mit der sich beide Partner begegnen.

Wirkliche Offenheit ist erst möglich, wenn beide Partner keine Angst haben müssen, das der andere sich trennt, oder verurteilen denkt und spricht. Absolute Offenheit erfordert ein große Reife, eine große Bereitschaft den Schmerz zu ertragen, der bei einer unzensierten Offenheit aufkommen kann.

Stolz und Überheblichkeit sind Eigenschaften die Offenheit und Verständnis unmöglich machen.

Es sind Abwehrreaktionen, die eine lieblose und getrennte Scheinsicherheit erzeugen. Natürlich wirkt ein stolzer Mensch unangreifbar und sogar auf manche Menschen erhaben und begehrenswert. Das Zusammensein mit einem solchen Menschen gestaltet sich aber sehr schwierig, weil Offenheit, Verständnis und Vertrauen nicht möglich sind. Und damit auch keine Liebe. Wenn du einen überheblichen, verständnislosen Partner hast, dann schaue tief in dich hinein und finde die Bereiche, in denen du selbst so bist. Denn wenn du diese Eigenschaften nicht auch hättest, dann könntest du nicht mit diesem Menschen in Resonanz sein. Vergib dir und dem anderen die Unwilligkeit weich und empfänglich zu sein. Ihr habt beide viele Verletzungen in der Kindheit erlitten und versucht diese nun mit hohen Idealen und erhabenen Konzepten in tiefere Schichten des Unterbewusstseins zu verbannen. Doch in einer engen Beziehung kommt alles auf den Tisch, auch das, was wir nie fühlen wollten. In einer tiefen Beziehung werden immer viele Tränen fließen und es wird viel Wachstum, Heilung und Erleichterung geschehen. Wenn wir offen und verständnisvoll miteinander umgehen. Folgende Fragen können dir dabei helfen, in ein tieferes Verständnis deiner Selbst und deines Partner zu kommen:

Was ist passiert? Was hat dein Partner getan oder unterlassen?

Wie fühlt sich das für dich an?

Wieso verletzt dich das so, oder macht sich so wütend?

Ist dir so etwas schon einmal in deinem Leben passiert?

Was denkst du, warum es dazu gekommen ist?

Was würde dir helfen, dem anderen zu verzeihen?

Hast du so etwas auch schon einmal mit anderen gemacht?

Wie fühlst du dich damit?

Möchtest du diesen Menschen etwas sagen?

Was oder wer könnte dir und deinem Partner jetzt helfen?

Möchtest du die Liebe in dir jetzt um Hilfe bitten?