Seelen sind in ihrer Essenz eins. Sie sind Gott und Göttin zugleich. Sie sind das eine universelle Bewusstsein, welches den Traum von Raum und Zeit träumt. Dieses Bewusstsein hat die Idee, das Körper interessante Spielfiguren abgeben und so hat es sich aufgespalten und träumt nun in einzelnen Körpern den Traum des Lebens als Mensch. Wir Menschen haben all das vergessen und merken nur noch, das wir uns ständig weiterentwickeln, das wir Wünsche und Bedürfnisse im Leben haben, die wir dann entweder selbst ausleben, oder nach außen projizieren und zuschauen, wie andere unsere Wünsche in ihrem Leben realisieren. Oft sind das die eigenen Kinder, von denen wir erwarten, das sie so großartig werden, wie wir selbst nie waren, oder der Liebespartner, der irgendwie auch besonders toll sein muss, damit wir ihn für das bewundern, was wir selbst nicht im Leben verwirklicht bekommen.

Das ist auch gar nicht so abwegig, da wir ja das eine Bewusstsein sind, welches das gesamte Universum erträumt und es auch wirklich keine Rolle spielt, wer welche Rolle spielt. In der Tat ist es bei den meisten Sachen relativ egal, wer welchen Traum auslebt, nur sollte man selbst mit der eigenen Rolle glücklich sein und die anderen Spielpartner auch.

In einer Paarbeziehung wird es schon schwieriger miteinander in Liebe zu bleiben, weil es einige Sachen gibt, welche die meisten Menschen nur mit dem eigenen Partner spielen wollen. Das sind Sachen wie tiefe Herzensgespräche über Gott und die Welt, Sexualität und Intimität, gemeinsame Urlaube und Mahlzeiten, liebeserfüllte Nächte und Tage.

Wenn diese Formen intensiver Nähe mit anderen geteilt werden als dem auserwählten Beziehungspartner, dann entsteht erstmal intensiver Schmerz in dem Menschen, der alleine stehen gelassen wird. Das ist eine ganz natürliche menschliche Reaktion. Über die Millionen Jahre menschlicher Entwicklung, war es meist tödlich aus der Gruppe oder der Beziehung ausgeschlossen zu werden und so meldet der Überlebensmechanismus in uns mit starkem Schmerz, das hier gerade etwas sehr schief läuft und das wir dringend etwa ändern müssen.

Dieser Veränderung kann in zwei Richtungen führen. Entweder gehen wir in die Stille, lauschen auf die Gefühle und die Weisheit der Seele und beginnen einen Prozess der Bewusstwerdung, Heilung und Liebe. Oder wir projizieren unsere eigenen Unzulänglichkeiten auf den Partner, werden innerlich hart um den Schmerz der Angst nicht zu fühlen und warten bis die Beziehung tot ist und sich auflöst. Wenn ein oder beide Partner nicht fühlen wollen, dann ist Trennung (oder auch eine tote Beziehung die ohne Liebe weiterläuft) das Resultat.

Und obwohl Trennung auf seelischer und geistiger Ebene absolut unmöglich ist, weil wir als Bewusstsein eins und verbunden sind, ist sie auf menschlicher Ebene manchmal die einzige und beste Möglichkeit um Leid zu beenden. Warum ist das so? Ist nicht jede Form von krankhafter Beziehung heilbar?

Im Grunde schon, doch wenn zwei Menschen tief in ihre kindlichen Liebeserhalts- und Schmerzvermeidungsstrategien verstrickt waren und sich damit über Jahre endlos viel Leid zugefügt haben, dann entsteht eine ganzkörperliche Ablehnung gegen den Partner. Er ist nun der Feind, der immer nur weh tut. Diese Sichtweise ist zwar mit sehr viel Therapie auf seelischer Ebene auflösbar, aber der Körper merkt sich jeden Schmerzauslöser sehr gut, weil dieses Schmerzgedächtnis für sein Überleben wichtig ist. Wenn der Mensch psychisch oder physisch oft verletzt wurde, dann wittert er wie ein Tier die Gefahr, wenn sie sich auch nur im leisesten anbahnt. Wir kennen das alle sehr gut: Das gebrannte Kind hat Angst vor dem Feuer, ein fast Ertrunkener geht nicht mehr baden, der Gebissene hat eine Hundeaversion. Selbst wenn zusätzlich zur Traumatherapie noch eine Aversionstherapie gemacht wird, lösen diese tief eingebrannten Erinnerungen beim kleinsten Rückfall wieder das gesamte Misstrauen und die volle Angst bei dem Partner aus, der in der Beziehung der Unterlegene war und viel ertragen hat, weil er die Beziehung unbedingt aufrecht erhalten wollte.

Die zwei großen Spielfelder der Verletzung in Beziehung sind Rückzug und Angriff, also die zwei Hauptmethoden des Egos, um mit Schwierigkeiten umzugehen. Wenn beide Partner im Angriffsmodus sind, dann kommt es zu heftigen Kämpfen. Das ist zwar anstrengend, aber so verbringen manche Paare ein ganzes Leben. Und Sie sind damit gar nicht so unzufrieden, denn die Beziehung ist leidenschaftlich und auf eine gestörte Art und Weise irgendwie auch gut. Ebenso kann eine Beziehung funktionieren, wenn sich beide Partner zurückziehen. Das wird zwar auch nach kurzer Zeit schon unerträglich, aber der Mensch ist ja anpassungsfähig und so kann sich auch diese Trostlosigkeit über viele Jahre hinziehen. Meist ohne Sex zwar, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Dann gibt es noch die schmerzhafte Möglichkeit, das es einen Angreifer und einen Rückzieher gibt. Wenn nur einer angreift, dann wird sich der andere meist innerlich zurück ziehen. Die häufigste Art des Rückzug ist sexuelle Unlust, bzw. Verweigerung auf verschiedenen Ebenen. Wenn das geschieht, dann wird der Angreifer meist schnell wieder sanft und versucht alles wieder gut zu machen, denn eine Beziehung ohne Sex und Liebe ist ja auch nicht sein Begehren. Auch dieses Ungleichgewicht kann sich sehr lange halten, denn wenn diese Art von Machtspiel aus der Kindheit gewohnt ist, dann ist es zur Identität geworden und beide Partner würden sich regelrecht komisch vorkommen, wenn sie es nicht spielen würden.

Doch wie jedes schmerzhafte Spiel was wir hier auf Erden spielen, kommt der Tag, an dem wir es Leid sind. Ein paar Monate oder Jahre später kommt dann auch der Punkt, an dem wir es unerträglich finden. Und noch später kommt dann die Entscheidung, sich zu trennen. Es gibt auch Paare, die diese Entscheidung bis zum Lebensende hinauszögern, aus der Angst vor dem allein sein, oder der Angst etwas gewohntes aufzugeben, was vor länger Zeit mal das großartigste der Welt war.

Wenn also keine Therapie mehr hilft, weil zu viel Verletzung stattgefunden hat, dann ist Trennung eine gute Lösung. Natürlich nur, wenn direkt danach beide Partner ihre Muster auflösen, die sie in der Beziehung nicht lösen konnten, weil sie zu perfekt ineinander verzahnt waren. Nur so ist es möglich, das nicht in der nächsten Beziehung das gleiche Spiel weiter geht.

Oft geschieht aber schon in der schmerzhaften Beziehung viel Erkenntnis und Heilung und die Trennung ist dann nur notwendig, um die neue Beziehung zu ermöglichen, die sich schon im Schmelztiegel der Verzweiflung geformt hat und dann wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt.

Die Ablösung ist aber im seltensten Falle einfach, denn meist fühlt und leidet ein Partner mehr, will unbedingt gehen und genau in diesem Moment lenkt der schmerzauslösende Partner ein und hört auf sein Spiel zu spielen und möchte sich wieder versöhnen. Dieses Spiel kennen wir alle von kleinen Kindern. Sie sind von einem Spielzeug gelangweilt, doch genau wenn ein anderes Kind es sich nimmt und damit Spaß hat, dann wollen sie es zurück. Das Spiel kann so über Jahre gehen und je nach Geduld und Trennungsangst, tut es das oft auch.

Falls du selbst in einer stagnierten Beziehung steckst und dich fragst, ob Trennung für beste Lösung ist, dann kannst du deine Seele um Klarheit bitten und dir die folgenden Fragen stellen:

Ist die Beziehung wirklich das was ich will, oder war sie das nur in der Vergangenheit und eigentlich will ich etwas neues, anderes?

Habe ich Angst vor Trennung, dem allein sein und dem Gefühl nie wieder einen ebenbürtigen Partner zu finden?

Warum kann ich meinen Partner nicht freigeben? Möchte ich ihn nur behalten, damit kein anderer ihn bekommt und damit vielleicht glücklicher wird als ich?

Was will ich im Leben? Kann ich das mit meinem derzeitigen Partner leben?

Könnte ich mit meinem Partner zusammen bleiben, wenn er sich nicht wesentlich verändert?

Ist meine Anhänglichkeit eine Co-Abhängigkeit? Weckt mein Partner in seiner Alkohol-, Drogen-, Arbeits- oder was auch immer Sucht mein Helfersyndrom, oder fühle ich mich dadurch stark und gebraucht?

Sei dir bewusst, das du nur einen Partnerplatz in deinem Herzen hast. Du kannst erst etwas neues in dein Leben einladen, wenn du deinen derzeitigen Partner freigibst. Trennung auf menschlicher Ebene ist dann vielleicht die beste Lösung. Sie bringt beide Partner wieder zurück zu sich selbst. Alleinsein ohne Ablenkung ist sehr heilend, auch wenn es schmerzhaft sein kann, weil sich in der Stille das Herz öffnet und Jahre von unterdrücktem Schmerz aus der Beziehung an die Oberfläche kommen um gefühlt zu werden.