Falls du an spiritueller Meisterschaft interessiert bist und wissen möchtest, ob du schon dafür bereit bist, dann können diese Fragen hilfreich sein: Warum will ich ein spiritueller Meister/in sein? Will ich meinem weltlichen Schmerz damit entfliehen oder andere Menschen beeindrucken? Bin ich wirklich bereit meine kindlichen Interessen wegzulegen und in Stille, Frieden und Erhabenheit zu leben? Will ich mich wirklich distanzieren von der Welt, meinen Beziehungspartnern und all den Dingen, die ich für mein Glück zu brauchen scheine? Habe ich die innere Reife, meine menschlichen Wünsche loszulassen und in die ewige Unendlichkeit einzugehen?

Leben ist Beziehung. Meisterschaft bedeutet in Beziehung die Einheit zu finden. Diese Einheit ist seelisch-geistiger Natur, denn Geist ist unsere spirituelle Wirklichkeit.

In vielen spirituellen und zeitgemäßen Beziehungskonzepten findet sich die Idee, das Beziehung nur funktionieren kann, wenn beide Partner Meister sind. Wenn sie also total mit sich zufrieden und erfüllt sind und das Leben komplett gemeistert haben. Dann braucht keiner mehr etwas vom anderen und es gibt keine Erwartungen mehr, keine Streits, keine Einengungen. Vor allem nicht den Schmerz der Abhängigkeit.

Was dabei gerne vergessen wird, ist, das es dann auch keinen Energieaustausch mehr gibt. Kein Geben und Nehmen untereinander. Und damit auch keine Beziehung im herkömmlichen Sinne.

Wenn sich zwei Meister begegnen, die in sich komplett sind, die alles in sich finden und nichts vom anderen wollen, oder brauchen, dann entsteht zwischen ihnen keine Beziehung sondern Einheit. Sie erkennen sich als total verbunden und sind in purer Seelenliebe. Da gibt es keinen Austausch mehr, denn für Austausch braucht es Polarität.

Doch wie jeder spirituelle Meister haben auch sie die Aufgabe ihre Liebe weiterzugeben und die Menschen anzuheben, die sich noch nicht auf diesem Liebes- und Erkenntnisniveau befinden. Und da sie sich gegenseitig in ihrer Paarbeziehung als Mensch nichts mehr geben können, werden sie Lehrer-Schüler-Beziehungen zu anderen Menschen eingehen.

Wirkliche Meister behalten dann ihre bisherige Paarbeziehung bei, weil es ja keinen Grund mehr gibt sie gegen etwas anderes einzutauschen, denn sie brauchen ja nichts mehr im außen und von anderen. Halbmeister fallen nach ihrem Erwachen wieder in menschliche Beziehungsmuster zurück und leben ihre sexuellen und menschlichen Leidenschaften aus, was natürlich dann wieder Lust und Leiden erschafft. Im Idealfall sind sie immer noch so erwacht, das sie auch menschliche Konflikte in Liebe annehmen können. Im schlimmsten Fall war das Erwachen ein Flucht vor weltlichem Schmerz und sie schlagen dann hart mit ihrem großen Ego auf.

Die schöne Idee, das sich die leidenschaftliche Beziehung voller sexuellem, körperlichem, emotionalem und geistigen Liebesaustausch auch ohne Konflikt und Abhängigkeit erleben lässt, ist leider ein Illusion.

Konflikt und Versöhnung, Erwartung und Erfüllung, Sehnsucht und Begegnung, Lust und Leid gehören alle zum menschlich-körperlich-dualen Dasein. Sie werden deshalb auch in jeder menschlichen Beziehung auftauchen. Eine körperorientierte Beziehung mit viel Lust und Sex, aber ohne jegliche Abhängigkeit und Erwartung, ist also keine Option. Es ist auch kein Problem, denn auch diese Ebene kann durch Kommunikation und Ehrlichkeit gemeistert werden.

Eines der schönsten Ziele, die wir als Mensch haben können ist: die tiefe innere Einheit unserer Seelen zu er-leben und auszudehnen. Wenn dies auch das Ziel der Beziehung ist, dann wird ein reger Liebesaustausch zwischen den Partnern entstehen, bis alle Illusionen und Projektionen vergeben sind und die Versöhnung absolut geworden ist.

Wenn das geschehen ist, dann hat die Beziehung ihre Aufgabe erfüllt und beide Meister sind nun wirklich frei von Leid und Abhängigkeit. Aber auch frei von prickelnder Sehnsucht, aufregender körperlicher Begegnung und den intensiven Gefühlen von Mangel und Erfüllung.

Dieser Zustand ist vergleichbar mit dem Phänomen der Lichtnahrung. Menschen, welche nicht mehr Essen müssen, weil sie so erfüllt sind, das sie Nahrung nicht mehr brauchen, haben den „Genuss“ des Appetit- und Hungerstillens nicht mehr. Ihr Leben ist unabhängiger und friedvoller, aber auf der Oberfläche auch kontrastärmer und leidenschaftsloser. Ihre Freude hat aber dafür eine tiefere Qualität bekommen und vor allem ist sie dauerhafter und nicht auf die kurzen Momente des Mangelausgleichs begrenzt.

Freiheit von Abhängigkeiten hat seine Konsequenzen und es ist sinnvoll diese Konsequenzen zu kennen und nicht mit sturer Verbissenheit dem Ziel absoluter Freiheit hinterherzulaufen, wenn wir gar nicht wissen, was sie bedeutet. Die Freiheit und der Frieden von absoluter Meisterschaft und Selbsterkenntnis ist etwas wunderbares für Menschen die auf dieser Stufe sind, oder für die es der nächste Schritt ist.

Für Menschen die das Spiel der Polaritäten noch sehr spannend finden, ist absolute Freiheit und Unabhängigkeit nur ein nicht realisierbarer Traum, weil sie nicht bereit sind ihre Leiden-schaft für die stille Liebe der Einheit aufzugeben. Sie wollen erwachsen sein, ohne ihre Kinderspielzeuge wegzulegen. Das funktioniert nicht und meist stehen noch viele Jahre Rebellion und Verzweiflung, Schmerz und Lust an, bis die nötige Reife erlangt wird.

Der Weg der Meisterschaft ist nun mal ein geistiger Weg, auf dem der Körper nur als Ausdrucksmittel dient und nicht zur Lustgewinnung. Meisterschaft wird immer zu mehr Auflösung, Weite und Ewigkeit führen, worin alles materiell-körperliche seine Bedeutung mehr und mehr verliert.

Das ist im übrigen auch der Grund, warum es so wenige Meister auf dieser Welt gibt: Wir alle lieben das Drama, die Aufregung, den Kontrast von Verlust und Gewinn, Leid und Freude, Hunger und Sättigung und die bunte Vielfalt der Welt. Zumindest solange es uns gelingt das grenzenlose Leid dieser Welt, den Tod, das Welken und Vergehen auszublenden.

Wenn du wissen willst, ob du schon für absolute Meisterschaft bereit bist, dann schau dir deine Wünsche an. Was willst du im Leben? Ist die Auflösung aller menschlichen Spiele und das Verschmelzen in Einheit dein höchstes Ziel? Brauchst du noch Konflikt um zu wachsen und zu werden? Kannst du auch das Leid und Elend der Welt annehmen und mit der Liebe deiner Seele umarmen? Kannst du das Leben in aller Fülle als Weg zu deiner Meisterschaft genießen?

Ich persönlich sehe das Leben als Spielfeld und als Schule an um immer mehr zu lieben und zu erkennen. Für mich ist die totale Meisterschaft, das absolute Erwachen ein Ziel, welches noch in der Ferne liegt.