Beziehungen sind ein Spiegel. Sie zeigen uns auf wundervolle und oft auch schmerzhafte Weise, wo wir gerade stehen. Sie spiegeln uns unsere Freuden und Ängste, unsere Offenheit und unsere Blockaden.

Wenn wir ein Beziehungsproblem haben und denken, das der andere daran Schuld ist, dann erliegen wir einer Täuschung. Erstens, weil es gar keine Schuld gibt, sondern nur eine Verschlossenheit gegenüber der allumfassenden Liebe und zweitens, weil wir für unsere eigene Realität verantwortlich sind, die wir selbst erschaffen. Wenn wir also ein Problem mit irgendetwas haben, dann können nur wir selbst auch etwas daran ändern.

Wir haben die Wahl: Wir können uns entweder von dem Problem und dem Beziehungspartner abzuwenden, was für einen Augenblick oft sogar angebracht ist, damit wir uns auf uns selbst besinnen können. (Während wir uns bewusst bleiben, das Rückzug nicht wirklich etwas an dem Problem ändert)

Oder wir können die heilsamere Sichtweise anwenden. Wir können das Problem als Wachstumschance sehen, als willkommene Möglichkeit nach innen zu schauen um herauszufinden, warum wir mit diesem Problem und gerade diesem Partner in Resonanz sind.

Denn mal ganz ehrlich, wenn wir nicht in Resonanz mit den schönen und unschönen Seiten des anderen wären, dann gäbe es die Beziehung gar nicht. Und wenn wir nur in Resonanz mit den schönen Seiten des anderen wären, dann könnte das Problem nicht auftauchen. Wenn also etwas schmerzhaftes in der Beziehung aufkommt, dann tragen wir diesen Schmerz in uns, auch wenn wir ihn von dem anderen gespiegelt bekommen.

Diese Wahrheit trifft auf all unsere Beziehungen zu, egal, ob es unsere Beziehung zu einem Menschen, zu einer Arbeit, zu unserem Körper, oder sogar zum Geld ist. Mit allem was in unserem Leben auftaucht sind wir in Resonanz und unsere eigene Sichtweise entscheidet, ob diese Resonanz erfüllend, oder anstrengend oder sogar schmerzhaft ist.

 

12 Schritte in eine erfüllte Beziehung

Die folgende Übung habe ich entwickelt, als ich selbst zum wiederholten Male in einer ernsthaften Beziehungskrise steckte. Ich habe sie auch selbst benutzt und sie hat mir tatsächlich geholfen. Sie hat zwar nicht meine damals so schmerzhafte Beziehung gerettet, weil dazu die Bereitschaft von beiden Seiten notwendig gewesen wäre, aber die Übung hat es mir ermöglicht, meinen eigenen Schatten zu sehen, ihn anzunehmen und ihn zu transzendieren.

Und so funktioniert die Übung: In den ersten beiden Schritten wird das Problem und das Gefühl, das wir damit haben, genau angeschaut. In Schritt 3-5 entwickeln wir Mitgefühl und Verständnis zu uns selbst und dem Beziehungspartner. In Schritt 6-8 finden wir die Glaubenssätze die dem Problem zu Grunde liegen und übernehmen die volle Verantwortung. In Schritt 9 schaffen wir durch Vergebung die Basis für Veränderung und in Schritt 10-12 erschaffen wir eine neue Art zu denken und damit eine neue Zukunft.

 

Wie dir diese Übung helfen kann

Diese Übung hat das Potential, dich von schmerzhaften Verhaltensmustern zu befreien, die du vielleicht schon ein Leben lang praktiziert und nie wirklich hinterfragt hast.

Mit einem Arbeitsaufwand von ca. 20 Minuten, kannst du dir tausende Stunden des Leids ersparen und vielen Menschen vergeben, mit denen du in der Vergangenheit dieses Leid geteilt hast. Du kannst damit selbst zu einem positiven Beispiel werden, wie man mit seinen eigenen Problemen konstruktiv umgeht. Das wird für die Menschen in deinem Umfeld eine große Hilfe sein.

Die Übung kann auf alle Probleme angewendet werden, denn jedes Problem ist ein Beziehungsproblem. In jedem Problem und jeder Krise steckt eine große Wachstumschance.

Bitte beantworte jede Frage so ausführlich wie Du möchtest und sei ganz ehrlich dabei, denn ohne Selbstehrlichkeit ist die ganze Übung nutzlos. Nur wenn du dir wirklich deine dunklen Seiten anschaust, das, was du bisher allen verheimlicht hast, was dir peinlich ist, was du nie deinen Liebsten zeigen würdest und wofür du dich selbst und andere kritisierst oder auch verachtest, nur dann kann Heilung geschehen.

Die 12 Schritte:

1. Das Problem welches ich mit …habe ist folgendes: (beschreibe den Vorfall, was der andere getan hat, was passiert ist)

2. Welches Gefühl löst dieser Vorfall bei Dir aus? Welche Gedanke kommen Dir zu dem Thema?

3. Hast Du so etwas schon mal mit anderen gemacht? Wenn ja, mit wem und wie?

4. Warum hast Du damals so gehandelt? Kannst Du Dein Gegenüber oder das Thema jetzt besser verstehen?

5. Ist Dir so etwas schon öfters passiert? Könnte es sein, das du dieses Verhaltensmuster selbst schon lange hast? Woher kommt dieses Muster?

6. Welche Ursachen haben zu deinem Verhalten und dem des Beziehungspartners geführt?

7. Welche Gedanken hast Du über dich selbst, wenn so etwas passiert? Und wie fühlen sich diese Gedanken an?

8. Bist Du bereit diese negativen und zweifelhaften Gedanken jetzt loszulassen? Kannst Du Dir dafür vergeben, das Du sie gehabt hast? Kannst auch den Menschen vergeben, von denen Du diese Gedanken übernommen hast?

9. Sind Dir jetzt noch weitere Erkenntnisse zu dem Thema gekommen?

10. Was sind Deine Wünsche, wenn Du allen und allem vergeben hast und niemanden mehr als schuldig siehst? Formuliere sie bitte in dieser Form: „Es wäre schön, wenn…..“

11. Erlaube Dir jetzt zu träumen und eine neue Vision zu haben. Was wäre, wenn alles so passieren würde, wie Du es Dir wünschst? Was würdest Du Dir wünschen?

12. Welche praktischen Lösungswege und Schritte fallen dir dazu ein? Hast Du eine Inspiration, wie Du in Zukunft anders denken und handeln kannst?

 

 

Ich habe diese Übung vor viele Jahren selbst gemacht natürlich, das ist das Resultat:

1. Das Problem welches ich mit …habe ist folgendes: (beschreibe den Vorfall, was der andere getan hat, was passiert ist)

Meine Freundin hat sich einen anderen Mann verliebt und ist seitdem abweisend zu mir und liebt mich nicht mehr so wie zuvor. Ich habe das Gefühl, sie will nicht mehr mit mir zusammen sein, sie drückt sich aber sehr unklar aus. Sie hat sich nicht wirklich von mir getrennt, sondern nur so halb. Sie ist seltsam bedrückt und abwesend wenn wir uns treffen, sagt aber nichts konkretes.

 

2. Welches Gefühl löst dieser Vorfall bei Dir aus? Welche Gedanke kommen Dir zu dem Thema?

Am Anfang war ich sehr schockiert und traurig, weil ich sie sehr liebe und eine Beziehung mit ihr wollte, die auf Liebe beruht. Und ich dachte sie wollte das selbe. Dann habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, das sie halt jetzt weg ist, war aber irritiert, das sie äußerlich immer noch nett ist und sogar noch mit mir ins Bett geht. Da ist irgendetwas sehr schräg, denn sie ist ganz abwesend dabei und es macht uns beiden keinen Spaß so. Sie will nur noch schlafen, wenn wir uns sehen und ich fühle mich sehr schlecht damit. Ich bin wütend über ihre und meine eigene Unklarheit. Warum sagt sie mir nicht einfach was los ist? Hat sie Angst mich zu verletzen? Versucht sie mich als Sicherheit zu behalten? Solche Fragen kommen in mir auf…

 

3. Hast Du so etwas schon mal mit anderen gemacht? Wenn ja, mit wem und wie?

Oh Schreck, ja, ganz massiv mit einer meiner Ex-Freundinnen. Ich war mit der Beziehung nicht glücklich, habe mich eingeschränkt gefühlt, weil ich eigentlich etwas anderes wollte, es aber nicht gesagt, weil ich meine Partnerin nicht verletzen wollte. Stattdessen war ich abweisend, obwohl ich alles versucht habe um gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Die Angst meine Partnerin mit der Wahrheit vor den Kopf zu stoßen, war so groß, das ich mich total verschlossen habe. Selbst als ich dann fremd gegangen bin, habe ich es nicht gesagt, weil ich mich schon so sehr in all die Lügen verstrickt hatte, das ich keinen Ausweg mehr sah. Das war für uns beide eine sehr schmerzhafte Situation, die sich über mehrere Wochen hinstreckte. Eigentlich genauso wie jetzt, nur das ich diesmal auf der anderen Seite stehe.

 

4. Warum hast Du damals so gehandelt? Kannst Du Dein Gegenüber oder das Thema jetzt besser verstehen?

Ich hatte Angst davor meine Wünsche und Vorlieben zu äußern, weil ich dachte, das ich kein Recht darauf habe und weil das nicht sehr erwachsen ist, Ansprüche an den Partner zu haben. Nachdem ich mich abgeschottet hatte, hatte ich auch Angst den Schmerz meines Partners zu erleben und seine Wut zu spüren zu bekommen. Jetzt, wo ich das aus der anderen Perspektive erlebt habe, kann ich mir gut vorstellen, wie sich meine damalige Freundin gefühlt haben muss. Ich weiß zwar nicht, ob die Gründe bei ihr die selben sind, aber auch das ist gut möglich.

 

5. Ist Dir so etwas schon öfters passiert? Könnte es sein, das du dieses Verhaltensmuster selbst schon lange hast? Woher kommt dieses Muster?

Es ging mir ehrlich gesagt mit mehreren Freundinnen so. Sie waren anfangs völlig begeistert von mir und ich von ihnen, was dann ziemlich schnell nachgelassen hat. Beide Seiten haben es nicht so richtig gewagt ihre Wünsche und Vorlieben zu äußern und sich wirklich tief auf die Beziehung einzulassen. So wurden wir entweder voneinander abhängig, oder wir haben uns nach eine Phase des Rückzugs voneinander getrennt. Ich habe dieses Verhaltensmuster seit meiner Kindheit und eindeutig von meinen Eltern. In unserer Familie wurde nie offen über Probleme geredet, sondern meistens geschwiegen und sich zurückgezogen. Und so wiederhole ich das Muster auch in meinen Beziehungen.

 

6. Welche Ursachen haben zu deinem Verhalten und dem des Beziehungspartners geführt?

Ich war einfach selber zu unklar. Ich wusste nicht, was ich im Leben wollte. Ich habe versucht die Liebe von meiner Freundin zu bekommen, was auch am Anfang geklappt hat. Ich bin von ihr abhängig geworden. Anfangs spürte ich die Liebe noch in mir selbst und fühlte mich unabhängig, dann bin ich aber wieder in die übliche Falle getappt und habe versucht die Liebe von meiner Partnerin zu bekommen. Am Ende war ich dann nur noch ein Schatten meiner selbst.

 

7. Welche Gedanken hast Du über dich selbst, wenn so etwas passiert? Und wie fühlen sich diese Gedanken an?

Ich zweifle an mir selbst. Ich denke, das Beziehungen einfach nicht funktionieren können. Ich bin traurig, hilflos und deprimiert darüber! Das fühlt sich echt furchtbar an und ich versuche immer wieder mich abzulenken, statt sinnvoll mit diesen Gedanken umzugehen und sie zu hinterfragen.

 

8. Bist Du bereit diese negativen und zweifelhaften Gedanken jetzt loszulassen? Kannst Du Dir dafür vergeben, das Du sie gehabt hast? Kannst auch den Menschen vergeben, von denen Du diese Gedanken übernommen hast?

Ja, ich hab genug davon. Etwas Neues muss her. Ich lasse diese Gedanken jetzt los. Ich vergebe mir selbst dafür, das ich diese Gedanken hatte, denn was ist schon dabei? Jeder Mensch ist manchmal verzweifelt und denkt seltsame Dinge über sich und andere, die nichts mit der Realität zu tun haben. Und ich vergebe auch meinen Eltern, von denen ich sie übernommen habe. Auch sie haben sie nur von anderen und sie haben sie genauso wenig hinterfragt wie ich bisher. Ich höre damit auf irgendjemandem etwas nachzutragen und übel zu nehmen und konzentriere mich lieber darauf, was ich ändern kann.

 

9. Sind Dir jetzt noch weitere Erkenntnisse zu dem Thema gekommen?

Ja. Erstens macht mir eine enge und dauerhafte Beziehung selbst Angst. Ich will immer frei sein und mich auch in andere Frauen noch verlieben können. Das scheint mir ein schönes Spiel zu sein. Die Vorstellung mit einem Menschen mein Leben lang zusammen zu bleiben und gar Familie und Kinder zu haben, mit allem was dazu gehört, macht mir Angst. Ich habe Angst dabei eingeschränkt zu werden. Und natürlich treffe ich dann Frauen, die genauso sind! Meine Beziehungen spiegeln mir tatsächlich genau meine Wünsche und Ängste wieder und ich glaube es ist wirklich an der Zeit einen Schritt weiterzugehen und eine neue Sichtweise anzunehmen.

 

10. Was sind Deine Wünsche, wenn Du allen und allem vergeben hast und niemanden mehr als schuldig siehst? Formuliere sie bitte in dieser Form: „Es wäre schön, wenn…..“

ich auch in schwierigen und emotionalen Situationen mehr Klarheit finden könnte, auch wenn das ein Widerspruch ist, weil ja Klarheit erst auftritt, wenn das Problem vorbei ist

ich Liebe und innere Freiheit vereinen könnte

…wenn ich auch völlig zu einer Frau stehen könnte und eine erfüllende Beziehung möglich wäre

…wenn ich meine Angst vor dem nicht-gewollt-werden aufgeben könnte

…wenn ich weniger anhaften könnte, an Beziehungen, Dingen, Situationen

…wenn ich keine Angst davor hätte, verlassen zu werden

 

11. Erlaube Dir jetzt zu träumen und eine neue Vision zu haben. Was wäre, wenn alles so passieren würde, wie Du es Dir wünschst? Was würdest Du Dir wünschen?

Ich würde die Frau meiner Träume treffen. Sie ist schön und offen und liebevoll und locker und leicht. Sie liebt mich genauso wie sie das Leben liebt und ist total offen zu mir. Ich liebe sie auch total und wir schauen uns lange an und die Liebe fließt frei zwischen uns. Wir treffen uns oft und unternehmen schöne Sachen zusammen, haben wundervollen Sex und es macht uns beiden dauerhaft Spaß. Wenn es ein Problem gibt, reden wir drüber und zwar so lange, bis das Thema aufgelöst ist. Sie ist so reif, das sie sich nicht einfach bei einem Problem zurückzieht, oder mich angreift, sondern das wir darüber reden. Und ich habe auch die Klarheit, das ich mit ihr rede, wenn ich ein Problem habe. Ich bin auch ohne sie erfüllt durch meine Arbeit und durch Beziehungen zu anderen Menschen und durch meine Beziehung zu mir selbst.

 

12. Welche praktischen Lösungswege und Schritte fallen dir dazu ein? Hast Du eine Inspiration, wie Du in Zukunft anders denken und handeln kannst?

Ich werde die Idee aufgeben, das ich meine Beziehungen ständig wechseln muss, nur um meinen Problemen aus dem Weg zu gehen. Ich werde an mir selbst arbeiten und meine Visionen, vor allem was mein kreatives Schaffen betrifft, verwirklichen.